Norbert Henrichs
Einführung in die Informationswissenschaft

3. Begriff und Theorie der Information

3.7 DOKUMENTATION UND IHRE FUNKTION

Die bisherigen Überlegungen zur Organisation fachlicher Kommunikation führten zur

• Klärung des Kommunikationsbegriffs:
Kommunikation wurde interpretiert als bilateraler (multilateraler) Interaktionszusammenhang zum Zwecke des Wissensaustauschs durch Informationsvermittlung

• Klärung des Informationsbegriffs:
Information wurde interpretiert als Wissen in interaktionsfähiger Form (unter Verwendung von Sprachen repräsentierte und durch Bindung an Träger transportierbare und erfahrbare Bedeutungsgehalte)

Was heißt in diesem Zusammenhang Organisation?

Beobachtungen zeigen:

Die Spontaneität des Wissensaustauschs durch Informationsvermittlung ist belastet, eingeschränkt, gestört wegen / durch:

Soll das Gelingen

      fachlicher Kommunikation

nicht dem Zufall überlassen bleiben, sind Maßnahmen erforderlich, die ihre Grundlage sicherstellen: nämlich die

Zugänglichkeit von Information,

und zwar

woimmer
wannimmer
von wemimmer

sie benötigt wird.

Diese Zugänglichkeit sicherzustellen,ist Zielsetzung der

DOKUMENTATION

Dokumentation

ist die

von Informationen aller Art

Die Aufgaben der Dokumentation sind als Aufgabenfolge,
als Prozeß anzuordnen.

Der Dokumentationsprozeß durchläuft stets die drei Phasen:

  1. INFORMATIONSERMITTLUNG
  2. INFORMATIONSVERWALTUNG
  3. INFORMATIONSVERMITTLUNG

Die Phasen des Dokumentationsprozeß

  1. INFORMATIONSERMITTLUNG
    1. Informationsbeschaffung
      - Überwachung des Informationsaufkommens
      - Erwerbung u. Akzession des Dokumentenmaterials
      - Sichtung, Bewertung, Auswahl von Dokumenten/Daten
    2. Hilfsmittel: Bestell- u. Akzessionssysteme Abonnementsüberwachung
    1. Informationserschließung
      - Duplikatkontrolle
      - Formale Erschließung Ansetzung der z.B. bibliographischen Daten formale Dokumentenkennzeichnungen (Dok-Nr., Signaturen)
      - Inhaltliche Erschließung Klassierung durch Notationen Vergabe von Deskriptoren Erstellung / Übernahme von Kurzreferaten (Abstracts)
    2. Hilfsmittel: Regelwerke der formalen Erschließung
      Ordnungssysteme / Dokumentationssprachen
      automatisierte Indexierungsverfahren
    1. Informations-(Daten-) Erfassung
      - Editierung der Erschließungsergebnisse (Indexate)
      Scanning
      Dateneingabe am PC
      Korrekturen
      Formatierung
      - Speicherung auf Datenträger
    2. Hilfsmittel: OCR-Systeme / Editiersysteme
      Prüfsysteme und Korrekturhilfen
      Dateimanagementsysteme
    3. (Nähere Ausführungen zu 1. in der Veranstaltung Wissensorganisation)
  2. INFORMATIONSVERWALTUNG
    1. Daten-/ Datenbankmanagement
      - Datenbankkonforme Datenstrukturierung
      - Datenbankaufbau
      - Updating und Reorganisation der Datenbank
      - Datensicherung
    2. Hilfsmittel: Die Verfahren sind automatisiert
    1. Retrievalorganisation
      - Bereitstellung von Such- und Zugriffssystemen
      - Bereitstellung von Druck-, Übertragungsroutinen
      - Bereitstellung von Verarbeitungsroutinen
      - Help-Desk und Mail-Box
      - Kundenverwaltung
    2. Hilfsmittel: Die Verfahren sind automatisiert
    3. (Nähere Ausführungen zu 2. in der Veranstaltung: Datenorganisation)
  3. INFORMATIONSVERMITTLUNG
    1. Informationsrecherchen
      - Problemanalyse
      - Datenbankauswahl
      - Information Retrieval
      · Frageformulierung
      · Verknüpfungsstrategien
      · Ausgabe der Suchergebnisse
      - Quellenbeschaffung
    2. Hilfsmittel: Emulationssoftware
      (menu-geführte) Retrievalsysteme
      Mail-Order
    1. Informationsselektion und - bewertung
      (Mehrwertdienste - value added information)
      - Automatisierte / intellektuelle Auswertung recherchierter Informationen
      - State-of-the-art-reports
      - Fortschrittsberichte
    2. Hilfsmittel: Systeme zur statistischen Auswertung und graphischen Ergebnisdarstellung
    3. Informationsverbreitung
      - Gestaltung und Produktion unterschiedlicher Informationsdienste
      - Bibliographien
      - Referateorgane
      - Indizes/Register
      - Analysen
      - Newsletter
      - Bulletin Boards
      - Mailing Lists
    4. Hilfsmittel: Desk-Top-Publishing Systeme, E-Mail-Systeme
    5. (Nähere Ausführungen zu 3. in den Veranstaltungen Literaturdokumentation / Faktendokumentation)

 

Übersichtsschema Dokumentation

abb
Übersichtsschema Dokumentation

Man unterscheidet Dokumentationen nach

Dokumentationen unterstützen fachliche Kommunikation in Verbindung mit
Bibliotheken (Mediotheken)
Archiven (Registraturen)

(sogen. ABD-Einrichtungen)

Abgrenzungen der ABD-Einrichtungen

abb
Abgrenzungen der ABD-Einrichtungen

Das 3-Phasen-Schema des Maßnahmengesamt der Dokumentation:

kann auch als Schema der

Ablauforganisation

von Informationssystemen verstanden werden:

 

Das Maßnahmengesamt der Dokumentation:

konstituiert

Informationssysteme

(zur Gewährleistung fachlicher Kommunikation)

= formale IS-Konstitution.

Ihre konkrete / inhaltliche Ausprägung,

= materiale IS-Konstitution,

erhalten IS von bestimmten Gestaltungsfaktoren:

 

Gestaltungsfaktoren von Informationssystemen

abb
Gestaltungsfaktoren
  1. Datenspezifika
    z.B.
    • Volltextinformation im juristischen Bereich
    • Strukturformel-Darstellung in der Chemie
    • Abbildungen in der Archäologie / Kunstgeschichte
    • Statistische Daten (Graphiken) in der Wirtschaft
    • Physiologische Werte in der Medizin
    • Normen / Grenzwerte im Umweltbereich
  2. Eingesetzte Technologien
    • Konventionelle Mediensysteme:
      Printmedien in Magazin-Speichern
      Zugang über Kataloge/Karteisysteme

      Verteiltechniken: Kopien
      Versandsysteme: Paper-mail
      Telefax
    • DV-Systeme
    • Datenbanken / Information Retrieval
      • online (über Netze)
      • offline (CD)
      • stand alone (auf PC)
      • onsite (auf LAN-Server)

      Internet: World Wide Web / Gopher
      Telekom-Online / CompuServe etc.
      NEWS
      E-Mail: Bulletin Boards etc.
    • Mikroformen
    • TV Videotext
  3. Systemzwecke
    z.B.
    • Berichtssysteme:
      Listen, gedruckte I-Dienste
    • Auskunftssysteme:
      abfragbare I-Dienste
    • Systeme zur
      Entscheidungsunterstützung:
      Expertensysteme
    • Steuerungssysteme:
      Robotersteuerung
  4. Einsatzbereiche
    z.B.
    • Forschungs-IS:
      Literatur-Nachweis
      Daten / Fakten-Nachweis
    • Planungs-IS:
      Idea-Processors / Outliner
      Projektmanagement-Systeme
      (Workflow-Management)
    • Verwaltungs-IS / Management-IS:
      Bürosysteme
      (Textverarbeitung,Tabellenkalkulation
      Statistik-S., Graphische I-Verarbeitung
      Archivierungssysteme)
  5. Spezifika der Betreiber
    z.B.
    • Öffentliche Informations-Einrichtungen Forschung universitär außeruniversitär Ausbildung Bildungseinrichtungen/Museen Verwaltung Behörden Privatwirtschaftliche Informations- Einrichtungen Verlage, Hosts Kammern Krankenhäuser Firmeninterne I-Stellen
    • Anforderungen der Benutzer z.B. Anzahl der potentiellen Nutzer Bedarfsprofil der Nutzer - fachliche Orientierung - Anforderungen aus der Funktion - Anforderungen aus der Institution Akzeptanzbarrieren - organisatorische Barrieren - technische Barrieren - sprachliche Barrieren - Kostenfrage

 

Dokumentationen,
Informationssysteme
unterstützen fachliche Kommunikationsprozesse durch
Unterstützung von

INFORMATIONSDIFFUSION

abb
INFORMATIONSDIFFUSION

Beschleunigung der Informations-Übermittlung von der Erkenntnisgewinnung zur Erkenntnisnutzung durch (vernetzte) Informationssysteme.

Informationssysteme unterstützen die Informationsdiffusion durch

INFORMATIONSTRANSFER

abb
INFORMATIONSTRANSFER

Informationssysteme unterstützen den Informationstransfer:

INFORMATIONSTRANSFORMATION

abb
INFORMATIONSTRANSFORMATION

Umwandlung von Zielvorstellungen in konkrete
Ausführungsanweisungen (top down)

Verdichtung von Expertenwissen in
Entscheidungsinformation (bottom up)

Informationssysteme
unterstützen die
Informationstransformation

durch
Systeme zur Prozeßsteuerung
- CAD/CAM
- CIM
- Workflow-Management
Lernsysteme

INFORMATIONSSELEKTION

abb
INFORMATIONSSELEKTION

Bereitstellung von Verfahren für gezielten / gewichteten / vollständigen Informationszugriff.

Informationssysteme zur Unterstützung der Informationsselektion:

Suchmaschinen / Navigatoren in Netzen
Meta-Informationssysteme
Informationsmehrwert-Dienste
(der Informations-Broker)

Zusammenfassung

Dokumentation als Theorie

ist die

Dokumentation als Praxis

ist als

abb
INFORMATIONSVERMITTLUNG

Ergänzung des Kommunikationsschemas

abb
Ergänzung des Kommunikationsschemas
abb
Ergänzung des Kommunikationsschemas

Die Koordinierung von IDK bedeutet Organisation fachlicher Kommunikation und ist Aufgabe des Informationsmanagement

abb
Organisation fachlicher Kommunikation

Kommunikations- , Informations- , Dokumentations-Systeme

abb
Kommunikations- , Informations- , Dokumentations-Systeme

zurück | nächstes Kapitel